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DSGVO – Datenschutz bei Wildkameras – Das gilt es zu beachten

Wildkameras werden meist in Tarnfarben gestaltet und diskret an Bäumen angebracht.
Wildkameras werden meist in Tarnfarben gestaltet und diskret an Bäumen angebracht. (Foto: HarryStueber/pixabay.com)

In den letzten Wochen und Monaten gab es europaweite Diskussionen um die neue Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO genannt. Auch in Deutschland blieben Aufregung, Empörung und Diskussion darum nicht aus.

Hobbyfotografen, die ihre  Bilder in den Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter oder Instagram teilen, aber vor allem Berufsfotografen müssen bei Befolgung des neuen Gesetzes zum Datenschutz genauestens aufpassen, wen sie ablichten. Streng genommen gilt jede Aufnahme, die veröffentlicht wird, bei denen der zuständige Fotograf nicht das schriftliche Einverständnis aller darauf abgebildeten Personen besitzt, nun als Gesetzesverstoß.

Dabei wird nicht mehr, wie vor der Verabschiedung dieser Grundverordnung, die Intention der Aufnahme berücksichtigt – sprich, künstlerische Intention und Integrität spielen keine Rolle mehr. Eine Rechtslage, die jedes Foto eines Städtetrips mit zig Fremden im Hintergrund potentiell zu einem Rechtsverstoß macht.

Während andere Länder in Europa individuelle Einschränkungen dieser Grundverordnung festgelegt haben, um Künstler zu schützen, hat eine solche Individualregelung in Deutschland (bisher) nicht stattgefunden. In Konsequenz versuchen Fotografen zwei Monate nach Einführung des DSGVO immer noch, die neue Rechtslage möglichst nutzerfreundlich in ihren Arbeitsalltag zu integrieren.

Verschont von dieser eingeführten Gesetzeslage sind auch die deutschen Wälder nicht geblieben. Auch hier macht sich die Datenschutzverordnung unter Umständen bemerkbar.

Wieso werden überhaupt Wildkameras in den Wäldern installiert?

Die Wildkameras dienen in erster Linie der Beobachtung der hiesigen Wildpopulation. Wie sieht die Wilddichte im jeweiligen Wald aus? Wie ist die Wildverteilung? Auch Wildbewegungen und -entwicklungen konnten so erfolgreich und ohne Eingriff in das Leben der Wildtiere im Wald beobachtet und dokumentiert werden. Häufig werden die Kameras an Kirrungen angebracht. Dabei handelt es sich um Lockfütterungsstellen für das Wild.

Rehe, Hirsche und anderes Wild kann mit Hilfe von Wildkameras beobachtet werden, ohne die Tiere aufzuscheuchen.
Rehe, Hirsche und anderes Wild kann mit Hilfe von Wildkameras beobachtet werden, ohne die Tiere aufzuscheuchen. Foto: WenPhotos / Pixabay

Rehe, Hirsche und anderes Wild kann mit Hilfe von Wildkameras beobachtet werden, ohne die Tiere aufzuscheuchen.

Neben der grundsätzlichen, statistischen Erfassung dieser Daten sind diese Beobachtungen natürlich von hoher Wichtigkeit für die zuständigen Jäger, denn nur nach einer ausführlichen Dokumentation über die Wildpopulation im Wald können die Parameter für die Jagd in der jeweiligen Saison festgelegt werden.

Tieraufnahmen sind von der DSGVO zwar nicht betroffen, allerdings laufen den Wildkameras keineswegs ausschließlich Tiere vor die Linse, sondern eben auch immer wieder Waldspaziergänger, Wilderer und ab und zu ein Schäferstündchen suchendes Pärchen.

Wildkameras besitzen meist einen sensorischen Regler, der auf Wärme und Bewegung reagiert. Dabei wird zwischen Mensch und Tier nicht unterschieden.

Dürfen Wildkameras nach der neuen DSGVO noch angebracht und genutzt werden?

Die Frage, in welchem Umfang Wildkameras genutzt werden dürfen und wie weit diese in die Privatsphäre Einzelner eingreift, wird nicht erst seit dem Eintreten der neuen Datenschutzordnung am 25. Mai 2018 diskutiert. Bisher gab es keine landeseinheitliche Regelung, sondern lediglich vereinzelte Urteile mit ausschließlich bundeslandinterner Reichweite.

Die Frage, ob die Kameras der Meldepflicht beim jeweils zuständigen Datenschutzzentrum unterliegen oder nicht, wurde in einem Urteil des Verwaltungsgerichts zumindest im Saarland eindeutig beantwortet.

Dabei wird ganz klar das Recht von Privatpersonen über das Recht des Jägers, seine Wildpopulation zu beobachten, gestellt. Diese Regelung gilt selbst, wenn es sich bei dem Wald um Privatbesitz handelt. Er gilt dennoch als öffentlicher Raum.

Allerdings verwies auch das saarländische Verwaltungsgericht darauf, dass diese Meldepflicht nur bis zum Eintreten der neuen Datenschutz-Grundverordnung gelte, da diese dann über der Meldepflicht steht und die Aufnahmen von Personen, ob veröffentlicht oder nicht, sowieso unrechtens macht.

In den zwei Monaten, die das Gesetz nun schon im Einsatz ist, gab es noch keine eindeutigen Anklagen beziehungsweise Verhandlungen und entsprechend auch keinerlei Gerichtsurteile, die das Nutzen von Wildkameras generell untersagen oder einschränken würden.

Theoretisch dürften sie nach dem neuen Datenschutzgesetz nicht mehr eingesetzt werden, da sich die Aufnahme von Menschen im Wald nie vermeiden lassen wird, wenn Wildkameras im Einsatz sind. Alternativ könnte man nur die Gebiete, in denen sie Anwendung finden, für menschliche Besucher sperren, was aber zu großen Einschränkungen in der Nutzung bisher öffentlich zugänglicher Wälder bedeuten würde.

Momentan gilt in diesem Bereich also letztlich die altbewährte Regel: Wo kein Kläger, da kein Richter. Idealerweise sollte auf einen sparsamen Einsatz der Wildkameras geachtet, vorrangig in Jagdeinrichtungen und Kirrungen, die weniger zugänglich für den Waldbesucher sind, und Zufallsaufnahmen von Personen umgehend vernichtet werden.

Wie sieht es mit Aufnahmen im Wald neben Wildkameras aus?

Fotografen, die sich auf den Weg in den Wald machen, um die ruhigen und schönen Momente im Leben der Wildpopulation einzufangen, müssen sich um diese neue Gesetzesverordnung keine Gedanken machen – solange sie bei der Tierwelt bleiben und sich nicht auf die menschlichen Besucher fokussieren, sind sie davon nicht betroffen.

Allerdings sollte auf eine gute Ausrüstung geachtet werden, damit das Wildtiergeschehen nicht nur auf dem inneren Auge verewigt wird, sondern auch auf der Kamera. Gerade bei den eleganten Sprüngen der Rehe und Hirsche lohnt sich die Anschaffung eines guten Blitzgerätes, mit denen auch Bewegungen in Sekundenbruchteilen eingefroren werden können. Das verleiht den Bildern eine unglaubliche Dynamik, die Sie mit dem eingebauten Blitz in den meisten Kameras nur schwer einfangen können.

Mit der richtigen Kameraausrüstung steht tollen und detailreichen Tieraufnahmen nichts im Weg.
Mit der richtigen Kameraausrüstung steht tollen und detailreichen Tieraufnahmen nichts im Weg. Foto: Free-Photos / Pixabay

Auch auf die oft diffusen Lichtverhältnisse im Wald können Sie damit ideal eingehen und die besondere Atmosphäre, die nicht zuletzt wegen des fantastischen, gebrochenen Lichts in Wäldern anzufinden ist, wird sich umso deutlicher in den Bildern widerspiegeln.

Vergessen Sie auch nicht, eine ausreichend große und gute Speicherkarte mitzunehmen; vielleicht sogar noch eine zweite in der Tasche, damit Sie für alles gerüstet sind.

Gerade bei den Feinheiten, die die Natur bietet, und bei Nahaufnahmen von Tieren, sollten Sie auf die Aufnahme der Bilder im RAW-Format nicht verzichten. Da diese aber mehr Speicherplatz als Aufnahmen im JPEG-Format benötigen, sollte die Ausrüstung auch hinsichtlich der Größe der Speicherkarte dahingehend angepasst werden, um zu vermeiden, dass im perfekten Moment der Platz ausgeht.

Fazit

Auch wenn sich die Regelungen offiziell deutlich verschärft haben, was in vielen Bereichen der Fotografie auch streng kontrolliert ist, darf vermutet werden, dass es in der Nutzung von Wildkameras nach wie vor Einzelfälle bleiben werden, in denen es zu einer Anklage aufgrund von Zufallsaufnahmen im Wald kommt, die grundlegend nicht veröffentlicht werden. Es ist anzunehmen, dass dies sowieso nur zur Sprache kommen wird, wenn so das unrechtmäßige Verhalten von Menschen an den Tag kommt, wie es zum Beispiel bei Wilderern der Fall sein kann.

Da so etwas als absolute Ausnahme anzusehen ist, wird sich an der praktischen Anwendung der Wildkameras in den hiesigen Wäldern vermutlich erst einmal nicht viel ändern. Sollte es unter der neuen Gesetzeslage zu einer Anklage kommen, wird sich zeigen, wie das jeweilige Gericht die Sachlage dann konkret beurteilen wird.

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